Zweiter Inklusionsfachtag am bkh

Geschafft! Die Absolventinnen und Absolventen des Aufbaubildungsgangs „Fachkraft für inklusive Bildungs- und Erziehungarbeit“ haben ihre Qualifikation in der Tasche. Einen sozusagen krönenden Abschluss dieses freudigen Ereignisses stellte der 2. Fachtag Inklusion in Kindertageseinrichtungen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe am Berufskolleg Hattingen am 19.01.2017 dar.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Abteilungsleiterin Mechthild Böker zusammen mit den Fachlehrerinnen Anita Horstmann und Antonia Hübers alle Anwesenden im Forum, unter anderem auch mehrere Kitaleitungen sowie Juliane Lubisch, Abteilungleitung beim Jugendamt Hattingen. Die Lehrerinnen gaben einen Rückblick auf die Ausbildung mit ihren vielfältigen Veranstaltungen, die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern und die unterschiedlichen Lerninhalte. Dass sie mit Freude unterrichtet hätten, sagten sie. Dass es Spaß gemacht habe, gemeinsam mit den Absolventen viel Neues auszuprobieren und dass ihnen die Gruppe sehr ans Herz gewachsen sei.

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V.l.n.r.: Fachlehrerin Anita Horstmann, Abteilungsleiterin Mechthild Böker, Referentin Dr. Bettina Lamm, Vertretung der Professur Entwicklung und Kultur an der Universität Osnabrück, Studienrätin Antonia Hübers.

Was den frisch gebackenen Fachkräften für inklusive Bildung und Erziehung selbst besonders gefallen hat? Das reichhaltig erworbene Fachwissen, die Methodenvielfalt, die Bildungswoche, die positive Zusammenarbeit und der Zusammenhalt, der sie zu einer tollen Gruppe hätte werden lassen.

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Im Rahmen des Fachtags konnten die Absolventen vor großem Publikum einerseits einen breiten Ausschnitt ihrer Lern- und Arbeitsergebnisse präsentieren. Sie konnten aber zum Veranstaltungsauftakt dank des hervorragenden Vortrags von Dr. Bettina Lamm mit dem Titel „Kulturelle Erziehungs- und Sozialisationsmodelle und ihre Bedeutung für den Kita-Alltag“ noch einmal nachvollziehen, welche Bedeutung interkulturelle Erziehungsaspekte auf das pädagogische Handeln in der Praxis hat. Und sie konnten daraus auch wichtige Empfehlungen zur Umsetzung interkultureller Kompetenzen im Beruf mitnehmen.

In ihrem Vortrag verdeutlichte Bettina Lamm unter anderem die Bedeutung der interkulturellen Kompetenz für die inklusive Pädagogik. Mit interkultureller Kompetenz ist die Fähigkeit zum beidseitig zufriedenstellenden Umgang mit Menschen unterschiedlicher kultureller Orientierung gemeint. Die wichtigsten Faktoren für interkulturelle Kompetenz sind die emotionale Kompetenz und die interkulturelle Sensibilität, die es uns erlauben, die Konzepte der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens und Handelns der Fremdkultur bei unserem Handeln zu berücksichtigen. Interkulturelle Kompetenz muss daher Teil der Professionalität frühpädagogischer Fachkräfte sein. Dabei bestehe die interkulturelle Kompetenz, so Bettina Lamm, darin, „sich der kulturellen Brille und ihrer Perspektivgebung bewusst zu werden und die Welt auch einmal mit Empathie und Wertschätzung durch eine andere Brille sehen zu können“. Die eigenen Erfahrungen sollten in diesem Moment zurückgestellt werden, denn es müsse die Bereitschaft bestehen, Stereotype und Vorurteile zu revidieren und Neues zu erlernen. In diesem Sinne könne man dann von einer kultursensitiven Pädagogik zu sprechen.

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Matrialbüffet zu Inklusionsthemen

Kultursensitive Pädagogik basiert auf drei Elementen, nämlich Wissen, Haltung und Handeln. Die eigene Kultur kann in der Regel nur im Kontakt und im Vergleich mit anderen Kulturen erlebt werden. Interkulturelles Wissen richtet sich damit einerseits auf kulturell geprägte Lebensweisen und Entwicklungsverläufe. Andererseits muss das erzieherische Handeln von Offenheit und Wertschätzung gegenüber anderen Menschen geprägt sein. Dazu trägt die Fähigkeit zum Perspektivwechsel bei. Dieser Ansatz geht davon aus, dass die Perspektive des Anderen nacherlebt werden kann. Wenn pädagogische Fachkräfte z.B. wüssten, wie eine Familie mit Migrationshintergrund lebe und welche Werte die Erziehung in dieser Familie prägen würden, sei das ein Schritt zu einer kultursensitiven pädagogischen Arbeit, so Lamm.

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Arbeitsergebnisse aus einer Teamsitzung

Laut Bettina Lamm unterscheidet der kultursensitive Ansatz sogenannte westliche Kulturen, deren Sozialisationsziele Individualisierung und Autonomie beinhalten von den verbundenheitsorientierten Kulturen. Was das im Einzelnen bedeuten kann, veranschaulichte sie an Beispielen.

So sei in westlichen Kulturen die elterliche Erziehung eher davon geprägt, dass Kinder lernen eine Beziehung zu sich selbst zu entwickeln, selbständige Entscheidungen zu treffen, unabhängig zu werden. Am Beispiel von Kindern aus Kamerun hätte sich dagegen gezeigt, dass Kinder dort stark gemeinschaftsbezogen seien. Sie würden nicht allein spielen, hätten immer andere um sich. Auch ihre Bindung an ein Elternteil sei deutlich weniger ausgeprägt als z.B. bei Kindern aus westlichen Kulturen. Das afrikanische Kind lebe und spüre Gemeinschaft. Erziehung sei dort Gemeinschaftssache. Vor diesem Hintergrund ist auch das Sprichwort zu verstehen, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind zu erziehen.

Pädagogische Fachkräfte mit entsprechender interkultureller und kultursensitiver Kompetenz können z.B. deuten, warum Kinder mit Migrationshintergrund, die in einem gemeinschaftsorientierten Umfeld erzogen wurden, morgens nach Betreten der Kita die dort Anwesenden, seien es Erwachsene oder Kinder, begrüßen und umarmen und ihnen die Verabschiedung von den Eltern leicht fällt, während sich Kinder mit westlichem Erziehungshintergrund eher tränenreich von einem Elternteil verabschieden und sie die Begrüßung der Anwesenden vernachlässigen.

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Anders sind wir alle: Einblick in Präsentationen der Abschlussprojekte

Deutschland ist ein multikulturell geprägtes Land und die interkulturelle Pädagogik wirkt seit Jahren darauf hin, Verschiedenheit als Merkmal von Menschen zu thematisieren. Mittlerweile haben über 30 Prozent aller Kinder im Vorschulalter einen Migrationshintergrund. In Kitas ist kulturelle Vielfalt täglich gelebte und erfahrene Realität. Natürlich ist es nicht immer einfach, die notwendige Sensibilität, Toleranz und auch Respekt gegenüber anderen Werten und Normen aufzubringen. Aber Schwierigkeiten sind dazu da um sie zu überwinden. Inwieweit das den pädagogischen Fachkräften in erziehungsbedeutsamen Situationen in der Kita zufriedenstellend gelingt, ist letztlich immer eine Frage der persönlichen und pädagogischen Haltung.

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Unsere diesjährigen Absolventinnen und Absolventen des Aufbaubildungsgangs „Fachkraft für inklusive Bildungs- und Erziehungsarbeit“ sind, was das angeht, auf dem besten Weg. Und Übung macht schließlich den Meister! Also bitte immer wieder runter mit der eigenen kulturellen Brille und sich mal die Brille des Gegenübers aufsetzen! Denn das schult den „pädagogischen Weitblick“ ungemein!

Übrigens: Ein neuer Aufbaubildungsgang zur „Fachkraft für inklusive Bildungs- und Erziehungsarbeit“ beginnt am 12.04.2018. Es sind noch Anmeldungen möglich. Auf dem Infoabend am Montag, den 5.3.18, können Interessierte Näheres erfahren. Informationen finden Sie auch auf unserer Homepage www.bk-h.de unter Bildungsangebot, Abteilung Sozial- und Gesundheitswesen.

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