Ein Besuch der SASO im Lukas-Hospiz Herne.

V.l.n.r: Viktoria, Fatma, Joana, Lisa, Lea, Hospizleiterin Anneli Wallbaum, Fachlehrerin Beate Löchte, Michelle, Alina, Celina, Steffan, Religionslehrer Michael Morgenthal V.l.n.r: Viktoria, Fatma, Joana, Lisa, Lea, Hospizleiterin Anneli Wallbaum, Fachlehrerin Beate Löchte, Michelle, Alina, Celina, Steffan, Religionslehrer Michael Morgenthal

Am Freitag, den 23.02.2018, ist strahlend blauer Himmel und Sonnenschein pur. Schöner könnte das Wetter für einen Besuch der Oberstufe Sozialassistenz im Lukas-Hospiz in Herne nicht sein. Fachlehrerin Beate Löchte hat ihn dank ihrer langjährigen Verbindung zu der Einrichtung im Rahmen des Unterrichts-Projektes „Sterben und Tod“ initiiert.

Eigentlich fällt das Haus von außen gar nicht auf, denn es steht in einem Wohngebiet, ist ein niedriger Bau mit einer kleinen Hecke davor. Auffällig jedoch ist das große Schild, das vor dem Eingangsbereich angebracht ist. „Lukas-Hospiz“ steht gut sichtbar darauf und darüber ein Bild mit zwei Händen, die eine andere Hand umfassen. Wer mit einem ungewissen mulmigen Gefühl der Erwartung eintritt, wird erst einmal von Ebbi begrüßt. Das ist die hübsche schwarz-weiß gefleckte Hündin von Anneli Wallbaum, der Leiterin der Einrichtung. Warum ein Hund im Hospiz? „Das hilft den Besuchern und Gästen ihre Schwellenangst zu überwinden. Denn Ebbi ist ein Kontakt schaffender Gesprächsöffner“, erklärt Frau Wallbaum. Das haben wir soeben auch festgestellt! Ebbi besucht auch die Gäste in ihren Zimmern. „Gäste“, das sind die Kurzzeitbewohner des Hospizes. Das Wort Hospiz kommt von dem lateinischen Begriff „hospes“ was Gast bedeutet. Und „hospitium“ heißt Herberge.

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Hospizhündin Ebbi erleichtert die Kontaktaufnahme

Wer die Eingangstür dieses Gästehauses durchschreitet, wird von großzügigen und lichtdurchfluteten Räumlichkeiten überrascht, die mit warmen Farben in Gelb- und Orangeabstufungen gestrichen sind. Die Gänge, von denen die Türen zu den Gästezimmern abgehen, haben als Bedachung nach oben spitz zulaufenden Glasscheiben und umschließen einen rechteckigen Lichthof mit Sitzgelegenheiten und einem Strandkorb im Sommer, in den man von innen durch Glasscheiben vom Boden bis fast zur Decke hineinschauen kann. „Dort halten sich, wenn die Temperaturen es erlauben, Gäste auf – sie werden auf Wunsch auch in ihrem Bett dort hinaus geschoben. Wir sitzen dann dort zusammen und grillen zum Beispiel auch“, erzählt Anneli Wallbaum.

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Apropos grillen: Essen aus der Großküche gibt es nicht. Für die Gäste wird, sofern sie Nahrung zu sich nehmen möchten, individuell gekocht. Meist, wie bevorzugt, Hausmannskost. Dazu gehören auch Eintöpfe, Reibekuchen, Hackfleisch oder auch Currywurst. Und in der Tat: Es riecht wirklich lecker aus der Küche und im Essraum, in dem ein Gast gerade zu Mittag isst.

Es geht, das wird mit jedem Wort deutlich, vor allem darum, sowohl den Sterbenden als auch den Angehörigen den Abschied zu erleichtern. Oberste Priorität haben dabei die Bedürfnisse des Gastes. Er soll sich wohlfühlen. Und so kommt es auch vor, dass einem Gast noch ein letzter Wunsch erfüllt wird, wie z.B. der Besuch der Cranger Kirmes oder eines Fußballspiels im Stadion oder sogar eine Fahrt zum Nordseestrand.

10 Einzelzimmer mit eigenem Bad hat das Lukas-Hospiz, davon 5 Einzelzimmer mit Angehörigenbereich. Die Arbeit mit den Angehörigen sei ein wichtiges Element, vor allem dann, wenn ein Gast und seine Angehörigen das Sterben nicht thematisieren möchten, um den jeweils anderen zu „schonen“. Die Akzeptanz des Todes von beiden Seiten sei aber unerlässlich, so Anneli Wallbaum. Denn sonst sei ein Loslassen, ein wirklicher Abschied gar nicht möglich. Im Bad bestaunen wir eine moderne Wanne mit einschwenkbarem Lift. Dort, so erklärt Anneli Wallbaum, nähmen die Gäste gerne noch einmal ein Aromabad und würden auch mit Aromaölen eingerieben, um sich an diesem Sinneserlebnis vielleicht ein letztes Mal erfreuen zu können. Zuständig dafür ist eine Pflegekraft, die auch Aromatherapie im Angebot hat.

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Anneli Wallbaum erklärt den Baum der Erinnerung

Gute zwei Stunden nimmt sich Anneli Wallbaum für uns Zeit und steht mit Ruhe und Gelassenheit Rede und Antwort auf die vielen Fragen, mit denen sie gelöchert wird. Warum sie schon so lange im Hospiz arbeite, will eine Schülerin wissen. Anneli Wallbaum erzählt von ihren Erfahrungen, die sie bei ihrer früheren Arbeit im Krankenhaus im Umgang mit dem Tod gemacht hat, insbesondere auf der onkologischen Station. Im Gegensatz zum Krankenhaus heiße es im Lukas-Hospiz nicht: „Wir können nichts mehr tun“, sondern im Gegenteil: „Wir können etwas anderes tun. Sterben darf hier sein. Wir müssen nicht für´s Leben kämpfen“. Wenn ein Gast verstorben ist, wird er „schön“ - also wunschgemäß - zurechtgemacht und die Angehörigen haben Zeit und Ruhe, sich von ihm zu verabschieden. Der würdevolle, aufmerksame und zugewandte Umgang mit den Gästen ist Motivation für alle MitarbeiterInnen des Hauses. Denn auch sie verabschieden sich von den Menschen, die sie auf ihrem letzten Weg versorgt und betreut haben, gehen auch oftmals mit zu deren Beerdigung. Die Mitarbeiter sind hier etwas Besonderes: Sie fast alle bereits von den ersten Tagen seit Bestehen dieser Einrichtung, also seit 2007, zusammen im Dienst. Fluktuation gibt es hier nicht!

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Raum der Stille

Über 700 Anmeldungen hat das Lukas-Hospiz pro Jahr. Etwa 200 Gäste können jedoch „nur“ aufgenommen werden. Die Aufnahme richtet sich nach der Schwere des Erkrankungsbildes. Aber darüber hinaus müssten auch andere Faktoren wie z.B. die psychosoziale Situation der Menschen mitberücksichtigt werden. Um sich ein Bild darüber zu machen, seien oft auch intensive Gespräche mit den Angehörigen nötig. Während Anneli Wallbaum erzählt, erahnt man, welches Maß an Verantwortung sie trägt. Sie hat viel Lebenserfahrung mit dem Tod, das wird mehr als deutlich. Aber sie wirkt keinesfalls resigniert, sondern resolut, bodenständig und authentisch. Glaubwürdig und ehrlich kommt sie rüber und sie ist eine äußerst aufmerksame Zuhörerin, die Art und Umfang ihrer Antworten gut auf unsere Gruppe abstimmt und dosiert. Dass sie ihre Homepage gerade überarbeite, erzählt sie und so ganz nebenbei hört man heraus, dass sie das während ihrer Urlaubszeit macht. Man spürt: Hier sitzt ein Mensch, dessen Beruf eher als Berufung zu bezeichnen ist. Bei der Frage nach der Finanzierung des Hospizes hören wir, dass etwa 200.000,- € pro Jahr aus eigenen Mitteln beizusteuern sind und dass das Hospiz daher auf Spenden angewiesen ist. „Allerlei Außergewöhnliches müsse man sich dafür schon einfallen lassen, damit der Spendentopf gefüllt werde. Und Gott sei Dank gebe es ja die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, ohne die gar nichts ginge.“

Über die verschiedenen Phasen des Sterbens berichtet Anneli Wallbaum, die natürliche biologische Abläufe seien. „Aber wir wissen ja heute eigentlich gar nicht mehr, wie sterben geht“. Ob sie und ihre MitarbeiterInnen sich nicht auch oft Gedanken über den eigenen Tod machen? Leben und sterben sei eine Frage des sich damit Auseinandersetzens, lautet die Antwort. Wir sollten uns rechtzeitig Gedanken über das Ende unseres Lebens machen. Denn der Tod gehöre nun mal zum Leben und je mehr man das bedenke und danach handele, desto intensiver verbringe man jeden einzelnen Tag. „Wenn man ENDlich lebt, ist das Gras grüner“.

Im Lukas-Hospiz wird gerne und viel gelacht. Dass das so ist, dafür sorgt sicherlich auch Anneli Wallbaum mit ihrem Humor. Und wenn so manches Leben dort mit einer gewissen ausgeglichenen Gelassenheit endet, dann liegt das sicherlich an der sehr persönlichen und auch heiteren Atmosphäre in diesem Hause.

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Zum Abschluss gibt es noch ein Gruppenfoto vor dem „Baum der Erinnerung“. An ihm hängen dünne bunte Holzblätter, auf denen die Namen der bisher in diesem Jahr Verstorbenen stehen. Solange der Leichnam eines Verstorbenen noch im Hause ist, brennt vor dem Raum der Stille eine Kerze für ihn. So ist es der Brauch hier. Und so ist es auch heute.

Die SASO vom Berufskolleg Hattingen bedankt sich noch einmal herzlich für die freundliche Aufnahme und die intensiven Ausführungen im Lukas-Hospiz. Wir sagen einfach mal „Auf Wiedersehen“!

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